Einfach mal die Luft anhalten

„Fünf, vier, drei, zwei, eins – ab!“ Fünf Minentaucheranwärter gleiten ruhig und langsam ins Wasser. Einer nach dem anderen lässt die Hände vom Rand sinken und schließt die Augen. Jeder hat einen Partner, der genau auf ihn achtet. Sie überlassen sich dem Wasser, konzentrieren sich darauf, was mit ihnen geschieht, wenn sie ohne Atem auskommen müssen.

 

Apnoeübungen sind ein wichtiger Bestandteil der Minentaucherausbildung. Sie schulen vor allem mentale Stärke und Selbstvertrauen unter Wasser. Da diese Apnoeübungen jedoch für den einen oder anderen Anwärter eine zu große Hürde darstellen, die Minentaucherausbildung aber immer wieder optimiert wurde und wird, hat man sich eine Expertin dazu geholt: Anna von Boetticher hält mehrere deutsche Rekorde und ist international erfolgreich im Wettkampfsport. „Meine langjährige Erfahrung mit Tauchen auf jede nur erdenkliche Weise macht die Arbeit mit den Spezialeinheiten der Marine für mich erst möglich“, sagte sie. „Da ich selbst mit Kreislaufgeräten unterwegs war, habe ich ein Grundverständnis für die Situation eines Minentauchers unter Wasser.“

Vertrauen für Sicherheit

Die Männer im Pool tauchen nach einer Minute und dreißig Sekunden wieder auf. Ruhig heben sie den Kopf, atmen dreimal, zeigen klar. Ihr Partner beobachtet sie genau, im Falle eines Problems kann er helfen. „Das korrekte Sichern ist ein elementarer Bestandteil von jeder Apnoeübung“, sagt Anna von Boetticher. „Es kommt leider immer wieder zu tödlichen Unfällen, weil Menschen ohne Sicherung die Luft anhalten. Die Minentaucher müssen sich auch später auf ihren Partner verlassen können. Aufmerksamkeit für den anderen ist lebenswichtig – ich möchte, dass die Männer das so früh wie möglich mitnehmen.“

Ein zentraler Grundgedanke von spezialisierten Einheiten ist es, sich immer wieder zu verbessern und auf dem neusten Stand zu bleiben. Der Apnoesport hat sich in den letzten Jahren deutlich verändert, davon können auch die Taucher der Marine profitieren. „Im Spitzenbereich des Apnoetauchens hat sich in den letzten Jahren viel getan. Dies ist auch für die Minentaucher relevant, die vor allem die mentale Stärke des Einzelnen und darüber die Sicherheit aller erhöhen möchten. Gemeinsam überarbeiten wir die Übungen und machen sie noch effektiver. Damit bleibt die Ausbildung der Minentaucher weiterhin auf höchstem Niveau.

 

Überleben sichern

Die Unterstützung durch Anna von Boetticher beginnt schon bei der Ausbildung der Schwimmtaucher am EAZS M in Neustadt und setzt sich bei den Auswahllehrgängen der Minentaucher und Kampfschwimmer fort, um ihren Abschluss bei den jeweiligen Vorausbildungen dieser Verwendungen zu finden.

Inzwischen ist der Lehrgang mit der nächsten Übung beschäftigt: Retten des Tauchers im Falle einer Ohnmacht. Die Übung ist schnell erklärt, die Männer verstehen sofort, worum es geht. Einer nach dem anderen „rettet“ seinen Partner. Die Übung macht Spaß – im Ernstfall wird der Spaß aber überlebenswichtig. In den nächsten Wochen werden sich die Männer immer wieder gegenseitig sichern. Das Gefühl, sich auf den anderen verlassen zu können, ist für die Bewältigung der schwerer werdenden Übungen ein wichtiger Bestandteil.

Die Arbeit mit den Minentauchern hat gerade erst begonnen, aber ich bin begeistert davon, wie schnell die Ausbilder und der Lehrgang meine Vorschläge umsetzen. Ich hoffe, ich kann dazu beitragen, die Ausbildung auf einem hohen Standard zu halten“, sagt Anna von Boetticher. „Meine Botschaft an alle, die den Wunsch haben Minentaucher zu werden und daran denken, die Luft einfach mal anzuhalten: bitte niemals ohne Sicherung!“

In den nächsten Wochen und Monaten müssen sich die Männer immer neuen Herausforderungen, mit und ohne Tauchgerät, im Wasser stellen. Das über die Apnoeübungen erlangte Selbstvertrauen wird ihnen dabei helfen, auch unter größter Belastung die Ruhe zu bewahren.

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